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Landeskunde

Geographie Bevölkerung Staat & Politik Wirtschaft Bildung & Soziales

Kurzübersicht (siehe auch den CIA 2002 Report, englisch)

Landesgröße:

Etwa 1,1 Mio. qkm (3x Deutschland)

Einwohner:

Etwa 8,44 Mio (davon 66% Indianer)

Sprache:

Spanisch, Quetschua, Aymara

Staatsform:

Demokratie, zentralistisch

BIP:

Etwa 21 Mrd U$

Inflation:

Etwa 2% (Konsumentenpreise)

Arbeitslosigkeit:

Etwa 50% (ohne Schattenwirtschaft)

Armut:

Etwa 70% leben unterhalb der Armutsgrenze



Geographie (zurück)
Bolivien ist ein Querschnitt durch fast die gesamte südamerikanische Geographie.

Etwa ein Drittel des Landes entfallen auf die Anden, nämlich der gesamte Westteil. Dort liegt auch, an der Grenze zu Peru der größte See Südamerikas, der Titikakasee. Die Anden erreichen eine Höhe bis über 6500m und werden in West und Ostkordilleren eingeteilt. Dazwischen liegt der Altiplano, eine Hochebene von etwa 3500-4000m Höhe. Die gesamten Anden sind vulkanisch noch aktiv.

Im Norden und Nordosten liegt das Amazonasgebiet, beherrscht durch den tropischen Regenwald. Den Übergang zwischen Anden und Amazonasgebiet bilden die Yungas in der Höhe zwischen 1000-3000m. Nebelwälder mit Riesenfarnen und Orchideen bewachsen die Andenausläufer hier. In Richtung Süden schließen sich die Valles in etwa gleicher Höhe an, ihre fruchtbaren Böden machen sie zur Kornkammer des Landes. Weiter südwestlich, etwa ab Santa Cruz beginnt der bolivianische Chaco, eine Gebiet von Baum- und Strauchsavannen.

Bevölkerung (zurück)
Bolivien ist das einzige Land Südamerikas mit größtenteils indianischer Bevölkerung, das prägt die Kultur und die Eindrücke. Die indigenen Bolivianer sind keinesfalls homogen, von Region zu Region unterscheiden sich Temperament und Kultur, die im Tiefland lebenden Cambas (Bsp. Santa Cruz) sind viel ausgelassener und offener als die traditionsbewußten Kollas des Hochlandes. Neben den etwa 10% Spanischstämmigen bilden eine Vielzahl von kleinen Einwanderungsgruppen weitere Teile der Bevölkerung, beispielsweise auch die deutschsprachigen Mennoniten um Santa Cruz herum. Die Vielzahl der Gruppen leben (mehr oder weniger) in erstaunlicher Toleranz nebeneinander. Ausländerfeindlichkeit ist eine Seltenheit.

Der Großteil der Bolivianer ist katholisch, allerdings mit sehr starken Überbleibseln der alten (Inka-)Religion. Es gibt viele kleine christliche Gruppen, denen die Bolivianer sehr aufgeschlossen gegenüberstehen.

Staat & Politik (zurück)
Bolivien ist eine Präsidial-Republik. Das politische System glänzte bis in die 80er durch weltrekordverdächtige Instabilität: Seit der Unabhängigkeit gab es über 200 (!!) gewaltsame Machtwechsel. Seit den 80er Jahren gab es mittlerweile 6 demokratische Machtwechsel ohne direkte Einflußnahme des Militärs, das macht Hoffnung auf Besserung.

Hauptstadt ist Sucre, Regierungssitz La Paz. Der Präsident wird auf 5 Jahre gewählt und kann nicht sofort wiedergewählt werden. Das Parlament besteht aus zwei Kammern und residiert auch in La Paz. Das Land ist in 9 Verwaltungsbezirke, die sogenannten Departementos aufgeteilt.

Es gibt eine Unmenge von Parteien, die wichtigsten sind: Die MNR (Moviemiento Nacionalista Revolucionario, Mitte-Rechts); die MIR (Moviemiento de Izquierde Revolucionario, reformistisch links) und ADN (Accion Democratica Nacionalista, Rechts), die wichtigste Indianerpartei ist die MRTKL.

Wirtschaft (zurück)
Bolivien ist Agrarland, weit über 50% Prozent der Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in diesem Sektor, auf dem Hochland dominieren nach wie vor die hergebrachten Kleinstbauern oft in alten noch aus der Inkazeit stammenden Bewirtschaftungsformen. Um Santa Cruz wird das wichtigste Agrarexportprodukt, die Sojabohne auf kilometerlangen Feldern produziert, auch wenn die trockenen letzten Jahre für die Bauern sehr schwierig waren,

Ein weiterer bedeutender Einkommenszweig, typisch für Entwicklungsländer,ist der Export von Bodenschätzen, früher Zinn und Silber, heute Erdgas (nach Brasilien, dorthin wurde 1999 die längste Erdgaspipeline eröffnet) und Zinn sowie Gold.

Nennenswerte produzierende Industrie existiert so gut wie gar nicht, das Zentrum der wenigen Industrie ist Cochabamba in Zukunft wird sich der Schwerpunkt etwas mehr nach Santa Cruz verlagern. Die internationale Entwicklungshilfe stellte einen weiteren Löwenanteil der Einnahmen dar, Hauptgeber ist die USA, die ihre Hilfe an die Vernichtung bzw. Eindämmung des Kokaanbaus knüpft.

Der Kokaanbau und der illegale Export von Kokaprodukten (Paste und Kokain) ist eine der drei wichtigsten Einnahmequellen, auch wenn die Regierung in den vergangenen Jahren verschärft dagegen angeht. Viele Bauern und Landarbeiter können ihren Lebensunterhalt nur durch diese Einnahmequelle erwirtschaften, es fehlt nach wie vor an geeigneten Alternativen. Der Kampf gegen den Kokaanbau ruft verschärft Konflikte hervor.

Bildung & Soziales (zurück)
Bolivien ist das ärmste Land des südamerikanischen Kontinents, der gesetzliche Mindestlohn beträgt etwa 60 U$, ein Polizist verdient im Monat 107 U$. Die Kindersterblichkeit liegt über 10%. Weit über die Hälfte (~70%) der Bolivianer lebt unter der Armutsgrenze. Allerdings wird der besonders in den Andenregionen verbreitete Tauschhandel (nach den alten Inkatraditionen) von der Statistik nicht erfasst, die Armut erscheint dem Besucher oft sogar geringer als in den Nachbarländern. Das soziale Klima ist in diesen Nachbarländern oft schlechter als in Bolivien, da die Mentalität von einer Solidarität geprägt wird, die anderswo fast unbekannt geworden ist. Nichtsdestotrotz verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Landes für die allgemeine Bevölkerung nach neuesten Statistiken (Anfang 2003) in den letzten fünf Jahren weiter.

60% der Kinder besuchen keine oder nur sehr unzureichend die Schule, noch weniger erreichen einen Abschluß, obwohl eine Schulpflicht auf dem Papier besteht. Ein Universitätsstudium ist der reichen Oberschicht vorbehalten. Fast 20% der Erwachsenen sind Analfabeten, die Kinderarbeit ist sehr weit verbreitetet.